Wie aus Erja Hirvis Liebe zu Blumen Drucke wurden

2024 erhielt Erja Hirvi einen außergewöhnlichen Auftrag: sie sollte fünf Blumendrucke für Marimekko kreieren. Vier weitere Designer erhielten den gleichen Auftrag. Alle 25 Entwürfe wurden erstmals 2025 im Rahmen der Pop-up-Ausstellungstour „Field of Flowers“ in Asien zusammen vorgestellt.
Das Besondere an diesem Auftrag war sein Umfang. Die Designer hatten vollkommene kreative Freiheit, vorausgesetzt, dass Blumen das Thema waren. Die Aufgabe war perfekt für Hirvi. Sie ist eine lebenslange Blumenliebhaberin, die seit ihrer Studienzeit, also seit über 30 Jahren, Drucke für Marimekko entwirft.
„Es war so ein wunderbarer Auftrag. Man konnte Blumen malen, ohne dass jemand irgendwelche Grenzen setzt. Weder bei Farbe, Größe, Technik noch Stil. Das gibt einem enorme Freiheit. Und Blumen sind unglaublich inspirierend. Es gab so viele Ideen, dass ich mich manchmal nur schwer entscheiden konnte. Ich muss damals ungefähr 50 Skizzen gemalt haben“, erinnert sich Hirvi.
Kukasta kukkaan, ein Symbol für Mut
Das erste der neuen Designs, das Teil der Kollektion von Marimekko wurde, ist „Kukasta kukkaan“. Hirvi malte es an einem heißen Julitag an ihrem Sommersitz, der etwa eine Autostunde von Helsinki entfernt ist. Der Druck nahm Gestalt an, als sie alte Skizzen wieder aufgriff und zu beobachten begann, wie Blumen auf unzählige Art und Weise in der Natur vorkommen. Auch der Zufall und spontane Ideen spielten eine Rolle.
„Ich habe fast den ganzen Juli im Sommerhaus gemalt. Es war furchtbar heiß und vollkommen friedlich, niemand hat mich gestört. Die Luft war still, die Pflanzen öffneten sich wogend und die Natur war üppig. Die Schönheit des Sommers selbst hatte einen Einfluss darauf, was schließlich aus Kukasta kukkaan wurde. Das Gefühl der Natur wurde irgendwie aufs Papier gebracht“, sagt Hirvi.
Hirvi hat mit ihrem Handy Aufnahmen von Blumen gemacht, sowohl an ihrem Sommersitz als auch in Helsinki, zum Beispiel im Park Töölönlahti, der erneuert wurde. Inspiriert von der Pflanzenwelt des Parks malte sie auch Puistokukat, eines der Designs von Field of Flowers. Auch der Name Kukasta kukkaan hat seinen Ursprung auf ihrem Handy.
„Ich habe Hummeln gefilmt, die um einen großen Rhododendron herumschwirrten. Es war faszinierend, sie zu beobachten. Sie wirken immer, als wären sie in unglaublicher Eile. Ihre wichtige Tagesaufgabe ist es, von Blume zu Blume zu fliegen.“
Für Marimekko ist Kukasta kukkaan zu einer Art Symbol für Mut und Selbstvertrauen geworden. Es dient als Erinnerung daran, dass man am besten sich selbst vertraut, wenn man einmal anfängt. Die Idee entstand aus Hervis eigenem Arbeitsprozess. Sie wurde vor fünf Jahren zur Textilkünstlerin des Jahres gekürt und beschreibt, dass das Vertrauen in die eigene Hand nur durch das Tun entstehen kann und am Anfang immer etwas unsicher ist.
„Ich hatte darunter mit Bleistift eine leichte Skizze angefertigt, aber sobald man mit dem Malen anfängt, ist es fast unmöglich, sich daran zu halten. Man lässt sich einfach treiben. Auch wenn man nicht genau weiß, was man tut, entwickelt sich die Idee während dem Malen. Man muss sich entspannen, es genießen, sich vertrauen und auch mal etwas risikieren“, erklärt Hirvi. „Wenn man entspannt ist, ist es einfacher, das Bild vor Augen aufs Papier zu bringen.“
Für Blumen und Bestäuber
Blumen liegen Erja Hirvi besonders am Herzen und sind dabei viel mehr als visuelle Schönheit oder ein Designmotiv.
„Vor langer Zeit habe ich Informationen darüber gefunden, dass die Zahl der Bestäuber zurückgeht, obwohl sie enorm wichtig sind. Ich habe den Eindruck, dass wir in der heutigen Zeit ein wenig vergessen haben, wie in der Natur alles miteinander verbunden ist“, reflektiert Hirvi.
Sie unterstützt die Bestäuber vor allem in ihrem Sommerhaus. Hier ist die körperliche Arbeit auch eine wichtige Entspannungsmöglichkeit für sie. Sie hat sich darauf konzentriert, Blumen für ihren Garten auszuwählen, die für Bestäuber besonders geeignet sind.
„Ich habe ein Buch über die besten Schmetterlingspflanzen für den Garten und nutze es, um herauszufinden, was ich anpflanzen soll. Aber Wildblumen sind unschlagbar. Manchmal hatte ich eine Schaufel oder eine Hacke im Auto und auf dem Weg zum Haus am Straßenrand Pflanzen ausgegraben, zum Beispiel Ackerskabiosen, bevor ich sie in meinen Blumenbeeten wieder eingesetzt habe.“
Wenn die vergangenen Jahre ein Anhaltspunkt sind, wird es in diesem Jahr wahrscheinlich noch mehr Blumen beim Sommerhaus geben.
„Mein Sohn hat im Frühjahr einmal vorsichtig gesagt: ‚Mama, was hältst du davon, wenn wir in diesem Sommer keine Blumen mehr pflanzen? Wie wäre es, wenn wir uns nur um die kümmern, die wir schon haben?‘ Aber ich kann einfach nicht anders“, lacht Hirvi.






